Mit diesen Zeilen möchte ich die Geschichte meines Vaters ein Stück weit nachzeichnen – als persönliche Chronik, als Rückblick auf die Entstehungsgeschichte unserer Familie und der Nayel Electronic GmbH & Co. KG, die daraus hervorgegangen ist.

Es ist keine vollständige Biografie, sondern ein ausgewählter Ausschnitt: der Versuch zu verstehen, woher wir kommen, welche Wege uns geprägt haben und wie aus Umbrüchen neue Perspektiven entstehen konnten. Zwischen Herkunft und Ankunft, zwischen Verlust und Neubeginn.

Mein Vater gehörte zu jener Generation, die ihre Heimat verließ und in Deutschland nicht nur ein Studium begann, sondern ein neues Leben aufbaute. Entscheidend war dabei für ihn stets ein Gedanke, den er konsequent lebte und immer wieder betonte: Bildung als Basis – als Voraussetzung für alles Weitere.

Diese Haltung ist aus heutiger Sicht auch das Fundament dessen, was später entstand: die Grundlage für das berufliche Wirken, das unternehmerische Denken und schließlich für die Firma, die ich heute mit großer Dankbarkeit weiterführe.

Ich empfinde mich dabei fest verwurzelt in meiner fränkischen Heimat, geprägt von Sprache, Alltag und einer gewachsenen kulturellen Selbstverständlichkeit. Und doch bleibt zugleich eine zweite Seite auch in mir spürbar: Die Herkunftsgeschichte meines Vaters, die auch Teil meiner eigenen Identität ist, ohne sie zu überlagern.

Von Kairo nach Schwäbisch Hall

Ende 1959 verließ mein Vater Ägypten. Nicht als klassischer Reisender, sondern in einer Lebensphase, in der sich alles neu ordnete und dem klaren Gefühl, dass sich sein Leben gerade unwiderruflich verschiebt.

Sein Weg führt ihn zunächst über Österreich nach Deutschland. Hinter ihm liegt eine Kindheit, die vielerorts wie aus einer anderen Welt wirkt. Denn seine Schulzeit verbrachte er in Kairo an einer englischsprachigen Schule mit angeschlossenem Internat. Seit seinem sechsten Lebensjahr lebte er dort, weit entfernt vom familiären Alltag am Nil, aber in einem klar strukturierten Bildungsumfeld. Dort, zwischen Unterricht in britischem Englisch und dem Rhythmus einer fremden Großstadt, legte er sein Abitur ab.

Doch die eigentliche Herkunftsgeschichte meiner Familie beginnt nicht in Kairo – sondern weiter südlich, am Nil, nahe Assiut in Oberägypten. Dort bewirtschafteten unsere Vorfahren seit Generationen große Ländereien mit Baumwollfeldern und ausgedehnten Obstplantagen.

Mit der Landreform ab 1952 veränderte sich dieses Leben grundlegend. Großgrundbesitz wurde eingeschränkt, enteignet oder neu verteilt. Für viele Familien bedeutete das nicht nur den Verlust von Land, sondern auch den Verlust ihrer wirtschaftlichen Existenz. Mein Vater erkannte schnell, dass sich sein Leben dramatisch ändern würde. Wie er sich oft selbst zitierte: „Vom verwöhnten Millionärssohn zum Studenten, der sich sein Studium selbst verdienen muss!“ Und das war auch seine Erkenntnis über die Auswirkungen der damaligen sozialistische Ausrichtung der Politik in Ägypten, die den Menschen mehr Gerechtigkeit und mehr Wohlstand für alle bringen sollte.

Die politischen Versprechen jener Zeit: „Mehr Gerechtigkeit, mehr Wohlstand für alle“ standen für ihn in einem Spannungsverhältnis zur eigenen Erfahrung des Verlusts. Skepsis wuchs. Und mit ihr eine Entscheidung, die sein weiteres Leben prägen sollte: ein Studium im Ausland. Seine Mutter dachte an England. Er entschied sich anders, für ihn war Deutschland die erste Wahl. Über Österreich kam er schließlich nach Schwäbisch Hall, wo er am Goethe-Institut begann, Deutsch zu lernen…

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